DAS GROßE LEXIKON DER HEILSTEINE
Dieter Stephan (?), David Aschberg, Weltbild Verlag
Im Jahr 2003 erschien beim Weltbild Verlag, Augsburg, ein 480 Seiten starkes Werk mit dem Titel "Das große Lexikon der Heilsteine". Als Autoren wurden Dieter Stephan (Veranstalter der Frühjahrsbörse in München) und David Aschberg (wissenschaftlicher Autor in Wien und München) genannt. Auf den ersten Blick ganz gut aufgemacht, hält das Buch allerdings nicht, was es verspricht: „Alle Heilsteine von A-Z" steht auf dem Cover, dabei sind es nur 129, wie schon auf Seite 36 kundgetan wird.
Inhaltlich folgt das Buch zu Beginn und im Aufbau der Steinbeschreibungen deutlich der Vorlage Michael Giengers „Lexikon der Heilsteine", wird dieser jedoch bei weitem nicht gerecht - zu viele Fehler haben sich eingeschlichen (z.B. S. 36: „Alle 129 Heilsteine in diesem Buch bestehen aus nicht mehr als acht Grundbausteinen." - überprüft man die chemischen Formeln, sind es an die 40!).
Bei den Beschreibungen der Steine wird das Buch sehr verwirrend. Die genannten Heilsteine sind nicht durchgehend alphabetisch, sondern überwiegend nach Mineralgruppen, teilweise jedoch ohne mineralogischen Zusammenhang geordnet. Auch bei den Mineralgruppen finden sich dann Feldspat, Granat, Turmalin (die übergeordneten Bezeichnungen der jeweiligen Gruppe) plötzlich eingereiht zwischen den einzelnen Mineralien und Varietäten.
Darüber hinaus zeigen die Fotos deutlich, dass mineralogische und heilkundliche Grundlagen nicht wirklich verstanden sind. Das Foto Seite 232 zeigt z.B. kugelig rund geschliffene Pyritgrüppchen aus Peru, die Bildunterschrift spricht jedoch von „Pop-Rocks" und „Kugelpyrit", womit jedoch natürlich gewachsene rundliche Pyritknollen bezeichnet werden. Noch schlimmer wird es bei den Hinweisen auf Imitationen, wo Entwarnung bei Steinen gegeben wird (Bsp. Grossular: „Es sind keine Fälschungen bekannt"), die sehr wohl und nicht selten imitiert werden (Gienger, Lexikon der Heilsteine: „Für Grossular existieren Dubletten aus Grossular und Glas sowie Imitationen aus synthetischem Spinell"). Das sind nur einzelne Beispiele für immer wiederkehrende Ungenauigkeiten - die in einem Lexikon jedoch tunlichst vermieden werden sollten.
Doch könnte man bei so fachkompetenten Autoren nicht besseres erwarten? Könnte man wohl, wenn die genannten Autoren das Buch auch tatsächlich geschrieben hätten! Doch die Anfrage eines Vereinsmitglieds des Steinheilkunde e.V. an den vermeintlichen Autor Dieter Stephan im vergangenen Jahr brachte erstaunliches zu Tage: Herr Stephan war völlig überrascht, als Autor des betreffenden Buchs genannt zu sein. Ihm war seitens einer Allgäuer Redaktion lediglich das Manuskript zur „Grobkontrolle" der mineralogischen Fakten vorgelegt worden - bestenfalls hätte man ihn daher als Lektor nennen können. Von seiner plötzlichen Autorenschaft wusste er nichts, das Buch lag ihm zum Zeitpunkt der Anfrage (einige Wochen nach Erscheinen) noch nicht einmal vor (!)
Fazit
„Das große Lexikon der Heilsteine" des Weltbild Verlags ist genau das, als was es den LeserInnen erscheint: Rein redaktionell mit mäßiger Fachkenntnis zusammengebastelte Sekundärliteratur, die leider schlechter ist, als die zitierten Quellen. Ein Buch, auf das man verzichten kann! - Das haben offensichtlich auch viele LeserInnen bemerkt, denn das Buch wird bereits nach einem Jahr vom Weltbild-Verlag für 9,95 EUR verramscht.
Anmerkung:
Das gleiche Buch ist im Aquamarin Verlag unter dem Titel: "Das große Praxisbuch der Heilsteine" neu erschienen.
(die Buchbesprechung stellt eine persönliche Meinung des Autors / der Autorin dar und muss sich nicht mit der Meinung der Redaktion decken)