EDELSTEINE FÜR FRAUEN

Ursula von Rohr, ECON Verlag, 1996, 94 Seiten

Ein handliches Taschenbüchlein, 94 Seiten lang deshalb auch relativ schnell 'durchgelesen'. Allerdings bewahrheitet sich recht schnell die Befürchtung, dass sich das, was uns hier vorgesetzt wird, ziemlich an der Oberfläche bewegt. Aus dem Vorwort ergibt sich der esoterische Ansatz, den die Autorin verfolgt, was prinzipiell nichts Schlechtes ist; allerdings fehlt es meiner Meinung nach an wissenschaftlichem Hintergrund. Dass Frauen generell "sensibler, offener, feinfühliger, empfindsamer und intuitiver mit den feinen und hohen Schwingungen von edlen Steinen umgehen können" (als wer?) kann ich prinzipiell so nicht unterstützen. Außerdem finde ich es etwas vermessen, Frauen als das "Schönere Geschlecht" zu bezeichnen.


Sehr schön und richtig ist der Ansatz: "Nur dann, wenn wir bereits in uns eine Schwingung tragen, wenn wir schon im Inneren für eine Qualität offen sind, werden wir uns auch von einem Stein angesprochen und angezogen fühlen, der die gleiche Qualität ausstrahlt. Ein Kristall ... kann für uns nichts machen, was wir nicht potentiell in uns tragen oder zumindest suchen."

Nach dem Vorwort folgt die Beschreibung von 70 Kristallen (so steht es auf dem Buchumschlag) oder von den wichtigsten (??) Edelsteinen, Mineralien und Metallen, was schon eher zutrifft (aber leider immer noch nicht ganz korrekt ist), handelt es sich doch bei Meeresschnecken, Korallen, Elfenbein und Quecksilber nun wirklich nicht um Kristalle. Ich frage mich, wie die Autorin zu der Auffassung gelangt, dass z.B. Quecksilber, Elfenbein und Korallen zu den 70 wichtigsten "Mineralien" gehören. Sie beschreibt zwar nicht deren Wirkungen und rät auf Grund des Artenschutzes bzw. der Giftigkeit von deren Gebrauch ab, aber dennoch werden sie in ihrem Buch genannt.

Die Beschreibung der jeweiligen "Kristalle" beinhaltet eine allgemeine Beschreibung, die körperliche Schwingung, die seelische Schwingung, die spezielle Bedeutung für Frauen, die Handhabung und eine persönliche Affirmation.

1. Allgemeine Beschreibung:
Die Autorin beschreibt in 1,5 bis 6 Zeilen das Aussehen des Steines, die Überlieferungen und manchmal auch Fundorte. Bei manchen Steinen wird die Herkunft des Namens beschrieben und/oder zu welcher Familie er gehört (z.B. Quarze). Über chemische Zusammensetzung, Entstehung oder gar Kristallstruktur erfahren wir leider nichts. Die einzigen Steine, über dessen Entstehung geschrieben bzw. spekuliert wird, sind die Pop-Rocks (Boji) und der Moldavit. Wobei sie bei der Entstehung des Moldavit eine wilde Spekulation heranzieht, "dass es sich beim Moldavit um Mondlava handelt, die bei den sehr großen Ausbrüchen der einst tätigen Mondkrater so weit in den Weltraum geschleudert wurde, dass sie aus dem Kraftfeld des Mondes in das der Erde gelangte". Es handelt sich bei den Moldaviten freilich um flüssige Gesteinsspritzer, die in die Luft geschleudert wurden, dort erstarrten und dann buchstäblich 'vom Himmel' auf die Erde fielen. Allerdings kamen diese Spritzer nicht vom Mond, sondern entstanden durch einen Meteoriteneinschlag vor 15 Mio. Jahren im Nördlinger Ries, bei dem gigantische Gesteinsmengen geschmolzen und in die Luft geschleudert wurden. Die allgemeine Beschreibung könnte besser recherchiert sein. Sie ist im Großen und Ganzen recht vernünftig, aber es finden sich einfach zu viele Fehler und Ungenauigkeiten, wie z.B. die oben beschriebene Entstehung des Moldavit, die Behauptung, der Granat sei ein Halbedelstein, der Dioptas sei ein Kupfersmaragd, der Karneol sei eine Abart des blutroten bis gelben und weißen Chalcedons, der Onyx sei eine Abart des Chalcedons mit einer hellen und einer dunklen Schicht usw. Außerdem ist die allgemeine Beschreibung recht dürftig.

2. Körperliche Schwingung:
Die Beschreibung der "körperlichen Schwingung" eines Steins ist in der Regel auch recht kurz gehalten und häufig hat die Autorin auch noch seelische Wirkungen mit hineingemischt. So lesen wir z.B. beim Onyx, "er soll Sie bei melancholischen und depressiven Stimmungen unterstützen ...", Platin "... soll Ihr Erinnerungsvermögen stärken ...", "Rubin bringt Wissen, ... Wohlstand und spirituelle Weisheit" usw. Ansonsten sind die Beschreibungen der körperlichen Wirkung der Steine zwar recht kurz gehalten, im Großen und Ganzen jedoch richtig bzw. wenn mir nicht bekannt, so doch zumindest nachvollziehbar.

3. Spezielle Bedeutung für Frauen:
Dieser Abschnitt hat mich ziemlich enttäuscht. Im Prinzip ist er eine Fortführung des Abschnitts: Seelische Schwingung und für beide Geschlechter von Bedeutung. Frauen-. spezifische Probleme werden kaum genannt.

4. Handhabung:
Hier finden Sie Hinweise, ob Sie den Stein als Schmuck tragen oder als Dekoration aufstellen sollen, sowie Hinweise zur Reinigung (beim Hämatit nicht zu empfehlen!).

5. Persönliche Affirmation:
In diesem Abschnitt finden wir eine der seelischen Wirkung des Steines entsprechende Affirmation.

Fazit
Alles in allem ein nettes Büchlein, um sich ins Thema einzulesen, aber für jede/n die/der sich intensiv mit dem Thema Steinheilkunde oder Steinheilkunde für Frauen beschäftigen will, viel zu dürftig und ungenau. Schade auch, dass es keine Abbildungen oder Fotos gibt.

(die Buchbesprechung stellt eine persönliche Meinung des Autors / der Autorin dar und muss sich nicht mit der Meinung der Redaktion decken)

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